Kategorie: 2017

Ich.Du.Wir.Supahelden

Krass Festival 2017_Mable Preach Lukulele_Foto Danny Merz Sollsuchtstelle#1

 THEATER / PERFORMANCE /­ TANZ 

Do 27.04.–SO 30.04.2017, 19 Uhr, K1 [Premiere]

Die Welt steht am Abgrund. Es ist Zeit zu handeln. Sechs Hacker errichten ein Superhelden-Trainingscamp, um die Zukunft der Menschheit zu retten. Die Superhelden-Azubis nehmen ihren Auftrag ernst und schwirren aus, das Böse zu besiegen. Die neueste Produktion von Regisseurin Mable Preach in Kooperation mit LUKULULE e. V. beschäftigt sich mit allen Formen und verschlungenen Schichten von Rassismus. Die jugendlichen Darsteller*innen finden dafür eine künstlerische Übersetzung in Szenen, Musik, Tanz und Text, spielen mit Erwartungen und Klischees, um sie geschickt auszutricksen. Nach den bejubelten Produktionen ONE NIGHT ON A SOULTRAIN (2013) und 12 YARDS (2015) folgt hier das dritte Musical-Event unter der künstlerischen Leitung von Mable Preach. Science-Fiction, Musikund Tanztheater.

Regie: Mable Preach, Regieassistenz: Simon Glücklich, Musikalische Leitung: Tobias Neumann, Musik Team: Sophy Sy, Simon Glücklich, Derya Yildrim, Fritz Darjes, Nina Maleika, Dramaturgie: Claude Jansen, Choreografie: Fannie Sosa, Sarah Lasaki, Tatjana Scherer, Jacky Hernandez , Andy Calypso, Can Güleç, Bühne: Frauke Kerker

Mit: Remolia Kahl, La-liza Brown, Lorena Scotti, Rachel Schindel, Benedict Grumme, Jacqueline Grumme, Bilal Lew Gaidenko, Charlotte Ebel, Viktoria Reinhardt, Cherryl Audrey Ording, Joycelyn Homadi-Sewor, Merve Can, Josephine Kuukuah Koomson, Angela Katanga, Mona Farivar, Lola Katzenberger, Kira Celine Balkie, Lisa Daniela Otoo, Lisa Onyema, Lennard Knies, Maria Lourdes Warweg, Precious Wiesner, Kira Marlen Nehring, Jannika Parot, Amanda A. Brown

Gefördert von Bezirksamt Hamburg-Nord, Adobe Foundation, Hand in Hand für Norddeutschland, Fond Darstellende Künste und der Elisabeth-Kleber-Stiftung

Islam Chipsy & EEK

Krass Festival 2017_Islam Chipsy & EEK_© Islam Chipsy

 MUSIK 

Mi 26.04.2017, 20 Uhr, KMH

Vorbei sind die Zeiten, als sich außerhalb Ägyptens nur wenige Eingeweihte via YouTube mit den neuesten Electro-Sha’abi-Tunes versorgten: Der ägyptische Straßen-Rave hat mit dem Tastenteufel Islam Chipsy und seinen zwei Schlagzeugern einen weltweiten Siegeszug angetreten. Chipsy bearbeitet in wahnwitzigem Tempo mit Fingern und Fäusten arabische Tonleitern auf seinem Keyboard, während die zwei Schlagzeuger Khaled Mando und Islam Ta‘ta‘ (EEK) ihre Instrumente als Präzisions-Beat-Waffen einsetzen. Diese Massen-euphorisierende Highspeed-Musik mit Wurzeln auf ägyptischen Hochzeitsfeiern ist eindrucksvoll festgehalten auf ihrem ersten Album “Kahraba” (etwa “elektrisieren”). Wegen der übersteuerten Produktion haben Musik-Enthusiasten wie thequietus.com hier an die raue Energie von frühen Public Enemy-Platten denken müssen, wobei in keiner Kritik der Hinweis auf die beeindruckenden Auftritte von Islam Chipsy & EEK fehlt. „One of the most exciting live propositions on the planet“ schrieb etwa das legendäre Londoner Café OTO über die drei anlässlich einer Residenz dort. Und wer beim ersten Hamburg-Konzert von Islam Chipsy & EEK auf dem Kampnagel Sommerfestival 2015 war, weiß, dass das noch harmlos formuliert ist.

Deportation Class

Krass Festival 2017_Deportation Class_Rau Wendler

 FILM 

Mi 26.04.2017, 18 Uhr, Alabama

Sie kommen in der Nacht, sie reißen Familien aus dem Schlaf, geben ihnen nur noch Zeit zum Packen und setzen sie in ein Flugzeug: sogenannte ‚Zuführkommandos‘ von Polizei und Ausländerbehörden. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 22.000 abgelehnte Asylbewerber aus Deutschland abgeschoben. Der Kino-Dokumentarfilm DEPORTATION CLASS zeichnet erstmals ein umfassendes Bild dieser staatlichen Zwangsmaßnahmen: Von der detaillierten Planung am Schreibtisch über den nächtlichen Einsatz in den Unterkünften der Asylbewerber bis zu ihrer Ankunft im Heimatland – und der Frage, was sie dort erwartet. Nach langen Recherchen hatte das Filmteam um Carsten Rau und Hauke Wendler die Möglichkeit, in Mecklenburg-Vorpommern eine Sammelabschiebung zu begleiten. Ein Wunschprojekt des Innenministers Lorenz Caffier, der bei den Abschiebungen persönlich dabei ist. Eindringliche, bewegende Bilder, die kaum einer kennt, die sich aber Woche für Woche wiederholen, wenn hunderte von Asylbewerbern meist auf den Balkan ausgeflogen werden. Vor zwei Jahren dokumentierten Rau und Wendler in ihrem Kinoerfolg ‚Willkommen auf Deutsch‘, wie Deutschland sich den Neuankömmlingen zuwandte. Mit DEPORTATION CLASS zeigen sie, wohin es führt, wenn die Stimmung gegenüber Geflüchteten kippt. Wenn immer mehr Länder zu ‚Sicheren Herkunftsstaaten‘ erklärt und grundlegende Rechte eingeschränkt werden. Und: Der Film macht aus ‚Rückzuführenden‘ Menschen, mit Würde und einer eigenen Meinung.

Regie: Carsten Rau / Hauke Wendler, Produktion: Carsten Rau / Hauke Wendler, Kamera: Boris Mahlau, Schnitt: Sigrid Sveistrup, Ton: Torsten Reimers

Dževad Karahasan – Der Trost des Nachthimmels

Dzevad Karahasan

 VORTRAG 

So 23.04.2017, 18 Uhr, K4

Der bosnische Schriftsteller Dževad Karahasan schildert, wie der heraufziehende religiöse Fundamentalismus eine blühende, von geistiger Vielfalt und Toleranz geprägte Epoche zerstört. Sein Roman, DER TROST DES NACHTHIMMELS, ist ein erzählerisches Meisterwerk über Fundamentalismus, über Blüte und Zerfall eines islamischen Reiches. Dževad Karahasan liest (auf Deutsch) aus seinem Roman und Rainer Moritz, Leiter des Literaturhauses Hamburg, moderiert den Abend.

In Kooperation mit Literaturhaus Hamburg.

Lady Bitch Ray With The Flyin‘ Pussay-Posse and DJ Klitrock: Meine Votze gehört mir!

Krass Festival 2017_Lady Bitch Ray

 THEATER / PERFORMANCE /­ TANZ 

Sa 22.04.2017, 21 Uhr, KMH

Sexuell-vulgär aufgeladener Street-Battle-(T)Rap, stylish-wütende Konzeptkunst und jede Menge politische Statements – eloquent präsentiert von der pussytief koNUTTierten »Bitch« herself: Wer könnte das sein, wenn nicht die one and only Miss Queen Pussy Deluxe aka Lady Bitch Ray …?! Bereits vor zehn Jahren hat die Vagina-Style-Pionierin Frauen mit einer expliziten Sprache beigebracht, zu ihrer »Votze zu stehen« und nahm dabei »kein Blatt vor die Muschi«. Fundierte sexuelle Selbstbestimmung, die Tabus crasht und Menschen empowert. Dr. Bitch Ray lädt ein zu ihrer neuen Rap-Poetry-Performance im Rahmen des Hamburger KRASS-Festivals auf Kampnagel, die sie in eine künstlerische Installation »Meine (türkische) Votze gehört mir 2017« (auf der Bühne) einBETTET. Lady Bitch Ray with the Flyin’ Pussay Posse and DJ Klitrock. Ein Abend, an dem die Pussies und Diggs sich selbstständig machen und abheben.

Künstler/ in: Dr. Reyhan Şahin aka Lady Bitch Ray

Mit Daudi

Krass Fesitval 2017_Mickael Phelippeau_Mit Daudi_Foto Mickael Phelippeau#2

 THEATER / PERFORMANCE /­ TANZ 

SA 22.04.–SO 23.04.2017, 19.30 Uhr, P1, [Premiere]

Angefangen hatte alles mit einer Begegnung zwischen dem Priester Jean-Yves Robert und dem Choreografen Mickaël Phelippeau, der ihn aufforderte, mit ihm zu tanzen. Es entstand eine berührende künstlerische Arbeit, ein zartes Geflecht aus persönlichen Anekdoten und gemeinsamer Bewegung. Diese Choreografie war der Beginn der mittlerweile 15-teiligen Serie »Bi-Portrait«, die den Choreografen zu einem der wichtigsten Vertreter der Tanzszene in Frankreich machte. Phelippeaus Bi-Portraits sind Momentaufnahmen aus dem Leben zweier Menschen, deren Austausch in die Körper übergeht. Auf Kampnagel zeigte Phelippeau bisher das Portrait eines gesamten Chores (CHORUS, März 2013) und das einer Mittelstufenschülerin (AVEC ANASTASIA, Mai 2016). Im KRASS-Festival präsentiert er seine neueste Begegnung mit Daudi Jarouth Simba, der aus Uganda kommt und mittlerweile als Veranstaltungstechniker am Theater Freiburg arbeitet. Übrigens, Jean-Yves Robert legte seine Tätigkeit als Priester im Anschluss an das Projekt mit Phelippeau kurzerhand auf Eis. Welchen Einfluss der Tanz auf das Leben von Daudi haben wird, sieht man vielleicht schon im Bi-Portrait auf Kampnagel.

Choreografie: Mickaël Phelippeau, Mit: Daudi Samba, Licht Design: Marek Lamprecht / Ricarda Köneke, Produktion, Tourmanagement und Administration: Fabrik Cassiopée – Isabelle Morel & Manon Crochemore

Eine Produktion von bi-p association im Auftrag des Theater Freiburg, koproduziert von Theater Freiburg, Le Merlan, scène nationale de Marseille, L’échangeur, CDC Hauts de France. Gefördert von Fonds Transfabrik, DRAC Centre-Val de Loire – Ministère de Culture et de la Communication, Région Centre-Val de Loire au titre du conventionnement, Département de l’Essonne, Département de la Seine Saint Denis und der Stadt Orléans. Mit freundlicher Unterstützung des Institut français und des französischen Ministeriums für Kultur und Kommunikation / DGCA.

Dont Rhine / Ultra-Red

Krass Festival 2017_ultraredlogo_© ultra-red

 SOUND ART & ACTIVISM 

Fr 21.04.2017, 20 Uhr, kmh

Der amerikanische Soundkünstler Dont Rhine ist Gründungsmitglied des legendären Soundkollektivs Ultra-Red aus Los Angeles. Für die 1994 von Künstler*innen und Aktivist*innen gegründete Formation führt Zuhören zwingend zu Diskussion und Stellungnahme. Ultra-Red nutzt Klangkunst als Strategie zur politischen Aktion; die Klanginterventionen des Kollektivs sind gleichermaßen kulturelle Analyse wie Handlung. Ultra-Red hat in zahlreichen Projekten international mit Künstler*innen, Forscher*innen und Aktivist*innen zu den Themen Migration, Rassimus, Stadtentwicklung und HIV/AIDS zusammengearbeitet.

Im Rahmen von KRASS und dem Symposium »Mediale Revolutionen« des Graduiertenkollegs »Ästhetiken des Virtuellen« der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK) bietet Dont Rhine einen dreitägigen Workshop und unternimmt mit den Teilnehmer*innen akustische Sound-Erkundungsgänge in Hamburg. Mehr Infos auf aesthetikendesvirtuellen.de. Auf Kampnagel präsentiert Dont Rhine eine öffentliche Listening Session zum Abschluss des Workshops.

Im Anschluss Party mit Booty Carell

FR 21.04.2017, 21.30 Uhr, kmh

Booty Carrell ist das DJ-Pseudonym des anonymen Türkoholikers, Golden Pudel Residenten und Outernational Deejay Gigolo Sebastian Reier. Carrell gräbt sich in die zweite Schicht musikalischer Globalisierung und setzt dort an, wo Musiker*innen weltweit angefangen haben, regionale Traditionen mit westlichem Gestus zu vermengen. Und das ist höchst tanzbar. Es drehen sich Schallplatten und Soundtracks aus der Türkei, dem Iran und Israel, aus Indien, Pakistan, aber auch Frankreich und Süddoyçland.