Programm 2017

Geometry of Dance Vol.4: Krass Urban Dance Battle

Krass Festival 2017_Krass Urban Dance Battle#1

 INTERAKTIV 

So 30.04.2017, 11 Uhr, k4 und kmh

Im Urban Dance gibt es keine Regeln, keine Technik, keine Grenzen. Im Freestyle-Contest treffen Tänzer*innen der Streetculture aufeinander. Zahlreiche HipHop- und Breakdance-Teams aus ganz Deutschland treten in Dreierbesetzung und verschiedenen Styles gegeneinander an. Das beste Team wird durch eine professionelle Jury per K. O.-System ermittelt.

Krass Festival 2017_Krass Urban Dance Battle#2

Carla Del Ponte trinkt in Pristina einen Vanilla Chai Latte

Krass Festival 2017_Jochen Roller Jeton Neziraj_Foto Artan Korenica#1

 THEATER / PERFORMANCE /­ TANZ 

Sa 29.04.– So 30.04.2017, 19.30 Uhr, P1 [Premiere]

Die ehemalige UN-Chefanklägerin Carla del Ponte fährt in den Kosovo, um dort nach illegalen Organhändlern zu fahnden. In einem Starbucks Café in Pristina stellt sie überrascht fest, dass der Vanilla Chai Latte dort ganz wie in West-Europa schmeckt. Diese fiktive Anekdote löst eine Tirade aus – über den gescheiterten Liberalismus der alten europäischen Demokratien, die Anziehungskraft des westlichen Kapitalismus und die Überlegenheit von Schweizer Taschenmessern. Choreograf Jochen Roller setzt in dieser deutsch-kosovarischen Produktion den Text von Jeton Neziraj als getanzte Propaganda über die Verführungskunst der Ideologie in Bewegung, gemeinsam mit fünf kosovarischen Schauspielerinnen, die den englischen Text in einer rasanten Choreografie jonglieren. CARLA DEL PONTE TRINKT IN PRISTINA EINEN VANILLA CHAI LATTE ist ein Verwirrspiel mit ständig wechselnden Perspektiven und widersprüchlichen Haltungen – schnell, tragisch und komisch.

Text: Jeton Neziraj, Inszenierung: Jochen Roller, Kostüme: Sebastian Ellrich, Licht: Marek Lamprecht, Denis Berisha, Spiel: Donikë Ahmeti, Vjosa Abazi, Agnes Nokshiqi, Alketa Sylaj, Lyra Xhoci

Eine Produktion von FFT Düsseldorf, Quendra Multimedia Pristina in Koproduktion mit dem Goethe-Institut Belgrad.

Gefördert im Rahmen von Szenenwechsel, einem Programm der Robert Bosch Stiftung und des Internationalen Theaterinstituts sowie durch das NATIONALE PERFORMANCE NETZ (NPN) Koproduktionsförderung Tanz aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestag.

Vernesa Berbo und die Balkan Boys

Krass Festival 2017_Vernesa Berbo und die Balkan Boys_Foto Vernesa Berbo

 MUSIK 

Fr 28.04.2017, 21.30 Uhr, KMH

Drei Musiker aus dem Thüringer Balkanwald treffen auf die Schauspielerin und Sängerin Vernesa Berbo. Zusammen besingen sie Liebe, Mut, Schönheit und die Sehnsucht nach Nirgendwo. Balkan Jazz, Soul und Folk – dieses musikalische Erfolgsrezept verzückt schon länger das Publikum am Maxim Gorki Theater in Berlin und steht nun erstmalig auf Hamburgs Spezialitätenkarte.

Bozo Vreco

Bozo Vreco (Krass 2017)

 MUSIK 

28.04.2017, 20 Uhr, K6

Sevdah oder auch der »bosnische Fado« steht für melancholische Liebeslieder, die bereits im Osmanischen Reich gesungen wurden. Bozo Vreco setzt sich über ethnische Grenzen hinweg, wenn er sich als bosnischer Serbe dem Sevdah, also der Musik bosnischer Muslime widmet. Der passionierte Musiker und Autodidakt bricht aber noch mit einem weiteren Tabu, was bisher als unumstößlich auf dem Balkan galt. Er definiert seine Sexualität nicht und spielt auf der Bühne mit Weiblichkeit und Maskulinität. Leidenschaftlich performt Bozo Vreco mit langem Bart, geschminkt und in selbstgefertigten Frauenkleidern auf der Bühne bosnische Liebeslieder.

Unsere Gewalt und eure Gewalt [Naše Nasilje & Vaše Nasilje]

Krass Festival 2017_Unsere Gewalt und eure Gewalt_© Oliver Frljic#1

 THEATER / PERFORMANCE /­ TANZ 

Fr 28.04.–SA 29.04.2017, 20 Uhr, K2 [Premiere]

Auf der Grundlage seiner Lektüre von Peter Weiss‘ Werk »Die Ästhetik des Widerstands«, das sich umfassend mit der Geschichte der Arbeiterbewegung und dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus befasst, zeichnet der bosnische Regisseur Oliver Frljic eine verstörende Analogie mit Blick auf den derzeitigen Rechtsruck in Europa. Bekannt für politisch brisante und unbequeme Fragestellungen und eine provokante, radikale Bildsprache, leitet Frljic in seiner skandalumwitterten neuen Produktion nicht nur Zusammenhänge zwischen Kapitalismus, Terrorismus, Islamophobie, Faschismus, Rassismus und Kolonialismus her, sondern geht auch der Frage nach Verantwortung, Schuld und nicht zuletzt nach der Rolle der vermeintlich wohlmeinenden westeuropäischen Wohlstandsgesellschaft nach. Was für ein Theater braucht es jetzt, da die Wiederkehr von Faschismus immer sichtbarer wird und in der Mitte der Gesellschaft Fuß fasst?

Regie: Oliver Frljic, Mit: Barbara Babačić, Daša Doberšek, Uroš Kaurin, Dean Krivačić, Jerko Marčić, Nika Mišković, Dragica Potočnjak, Matej Recer, Blaž Šef, Kostüme: Sandra Dekanić, Bühne: Igor Pauška, Licht: Dalibor Fugošić, Künstlerische beratung: Aenne Quiñones, Regieassistenz: Barbara Babačić, Übersetzung und Übertitel: Mascha Dabić, Barbara Skubić, Tina Malič, Produktionsleitung: Hannes Frey

Eine Produktion von HAU Hebbel am Ufer, Berlin in Koproduktion mit Mladinsko Theatre, Ljubljana, Wiener Festwochen, Zürcher Theater Spektakel, Kunstfest Weimar, Hrvatsko narodno kazalište Ivana pl. Zajca (Rijeka).

Last Jugo

Krass Festival 2017_Last Jugo_Ergün Yagbasan

  INSTALLTION 

Fr 28.04.–SA 29.04.2017, 19 Uhr, Foyer

Was kann oder sollte passieren, wenn ein staatenloser Kurde behauptet, der letzte Jugoslawe zu sein? Ergün Yagbasan, Mitinhaber des Kampnagel-Restaurants Peacetanbul, lässt Jugoslawien als Utopie eines perfekten Staates und Symbol für Internationalismus, Humanismus und Multikonfessionalismus wieder auferstehen. Dazu spielt Radio Beograd Hits aus drei Jahrzehnten (Musikalische Leitung: Siggie Pop/Dj Plazebo) und im Cevapcici-Contest stellt sich die Frage: Wer macht die beste Jugo-Köfte – Serben, Kroaten, Bosnier oder Albaner? LAST JUGO gibt einen aus und macht das Licht an.

Tamikrest

Krass Festival 2017_Tamikrest

 MUSIK 

Do 27.04.2017, 20 Uhr, KMH

Fernab von allen Weltmusikklischees steht die Band Tamikrest für einen hybriden Sound, in dem auf einzigartige Weise die musikalischen Traditionen der Tuareg-Nomaden aus dem Nordosten Malis mit modernen Stilen wie Dub, Funk oder Psychedelic-Rock zusammenfinden; westliche Rockinstrumente vermischen sich hier mit westafrikanischen Djembe- und Calabash Trommeln. Gesungen wird auf Tamaschek, der Sprache der Tuareg. Gemeinsam mit Bands wie Tinariwen gelten Tamikrest damit als Speerspitze eines musikalischen Zusammenhangs, der von einer begeisterten Fangemeinde seit einigen Jahren als Wüstenblues bezeichnet wird. Und Gründe für den Blues gibt es leider genügend. Aufgrund von Krieg und religiöser Verfolgung leben die Bandmitglieder und ihre Familien heute im algerischen Exil. Nach dem Eröffnungs-Konzert des Sommerfestivals 2013 kommen Tamikrest nun erneut nach Hamburg um ihr im März erscheinendes Album „Kidal“ vorzustellen: eine Hommage an ihre alte Heimatstadt gleichen Namens, die früher ein wichtiges Zentrum der Tuareg war, und heute ein Symbol der Hoffnung und des Widerstandes ist.

Ich.Du.Wir.Supahelden

Krass Festival 2017_Mable Preach Lukulele_Foto Danny Merz Sollsuchtstelle#1

 THEATER / PERFORMANCE /­ TANZ 

Do 27.04.–SO 30.04.2017, 19 Uhr, K1 [Premiere]

Die Welt steht am Abgrund. Es ist Zeit zu handeln. Sechs Hacker errichten ein Superhelden-Trainingscamp, um die Zukunft der Menschheit zu retten. Die Superhelden-Azubis nehmen ihren Auftrag ernst und schwirren aus, das Böse zu besiegen. Die neueste Produktion von Regisseurin Mable Preach in Kooperation mit LUKULULE e. V. beschäftigt sich mit allen Formen und verschlungenen Schichten von Rassismus. Die jugendlichen Darsteller*innen finden dafür eine künstlerische Übersetzung in Szenen, Musik, Tanz und Text, spielen mit Erwartungen und Klischees, um sie geschickt auszutricksen. Nach den bejubelten Produktionen ONE NIGHT ON A SOULTRAIN (2013) und 12 YARDS (2015) folgt hier das dritte Musical-Event unter der künstlerischen Leitung von Mable Preach. Science-Fiction, Musikund Tanztheater.

Regie: Mable Preach, Regieassistenz: Simon Glücklich, Musikalische Leitung: Tobias Neumann, Musik Team: Sophy Sy, Simon Glücklich, Derya Yildrim, Fritz Darjes, Nina Maleika, Dramaturgie: Claude Jansen, Choreografie: Fannie Sosa, Sarah Lasaki, Tatjana Scherer, Jacky Hernandez , Andy Calypso, Can Güleç, Bühne: Frauke Kerker

Mit: Remolia Kahl, La-liza Brown, Lorena Scotti, Rachel Schindel, Benedict Grumme, Jacqueline Grumme, Bilal Lew Gaidenko, Charlotte Ebel, Viktoria Reinhardt, Cherryl Audrey Ording, Joycelyn Homadi-Sewor, Merve Can, Josephine Kuukuah Koomson, Angela Katanga, Mona Farivar, Lola Katzenberger, Kira Celine Balkie, Lisa Daniela Otoo, Lisa Onyema, Lennard Knies, Maria Lourdes Warweg, Precious Wiesner, Kira Marlen Nehring, Jannika Parot, Amanda A. Brown

Gefördert von Bezirksamt Hamburg-Nord, Adobe Foundation, Hand in Hand für Norddeutschland, Fond Darstellende Künste und der Elisabeth-Kleber-Stiftung

Islam Chipsy & EEK

Krass Festival 2017_Islam Chipsy & EEK_© Islam Chipsy

 MUSIK 

Mi 26.04.2017, 20 Uhr, KMH

Vorbei sind die Zeiten, als sich außerhalb Ägyptens nur wenige Eingeweihte via YouTube mit den neuesten Electro-Sha’abi-Tunes versorgten: Der ägyptische Straßen-Rave hat mit dem Tastenteufel Islam Chipsy und seinen zwei Schlagzeugern einen weltweiten Siegeszug angetreten. Chipsy bearbeitet in wahnwitzigem Tempo mit Fingern und Fäusten arabische Tonleitern auf seinem Keyboard, während die zwei Schlagzeuger Khaled Mando und Islam Ta‘ta‘ (EEK) ihre Instrumente als Präzisions-Beat-Waffen einsetzen. Diese Massen-euphorisierende Highspeed-Musik mit Wurzeln auf ägyptischen Hochzeitsfeiern ist eindrucksvoll festgehalten auf ihrem ersten Album “Kahraba” (etwa “elektrisieren”). Wegen der übersteuerten Produktion haben Musik-Enthusiasten wie thequietus.com hier an die raue Energie von frühen Public Enemy-Platten denken müssen, wobei in keiner Kritik der Hinweis auf die beeindruckenden Auftritte von Islam Chipsy & EEK fehlt. „One of the most exciting live propositions on the planet“ schrieb etwa das legendäre Londoner Café OTO über die drei anlässlich einer Residenz dort. Und wer beim ersten Hamburg-Konzert von Islam Chipsy & EEK auf dem Kampnagel Sommerfestival 2015 war, weiß, dass das noch harmlos formuliert ist.

Deportation Class

Krass Festival 2017_Deportation Class_Rau Wendler

 FILM 

Mi 26.04.2017, 18 Uhr, Alabama

Sie kommen in der Nacht, sie reißen Familien aus dem Schlaf, geben ihnen nur noch Zeit zum Packen und setzen sie in ein Flugzeug: sogenannte ‚Zuführkommandos‘ von Polizei und Ausländerbehörden. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 22.000 abgelehnte Asylbewerber aus Deutschland abgeschoben. Der Kino-Dokumentarfilm DEPORTATION CLASS zeichnet erstmals ein umfassendes Bild dieser staatlichen Zwangsmaßnahmen: Von der detaillierten Planung am Schreibtisch über den nächtlichen Einsatz in den Unterkünften der Asylbewerber bis zu ihrer Ankunft im Heimatland – und der Frage, was sie dort erwartet. Nach langen Recherchen hatte das Filmteam um Carsten Rau und Hauke Wendler die Möglichkeit, in Mecklenburg-Vorpommern eine Sammelabschiebung zu begleiten. Ein Wunschprojekt des Innenministers Lorenz Caffier, der bei den Abschiebungen persönlich dabei ist. Eindringliche, bewegende Bilder, die kaum einer kennt, die sich aber Woche für Woche wiederholen, wenn hunderte von Asylbewerbern meist auf den Balkan ausgeflogen werden. Vor zwei Jahren dokumentierten Rau und Wendler in ihrem Kinoerfolg ‚Willkommen auf Deutsch‘, wie Deutschland sich den Neuankömmlingen zuwandte. Mit DEPORTATION CLASS zeigen sie, wohin es führt, wenn die Stimmung gegenüber Geflüchteten kippt. Wenn immer mehr Länder zu ‚Sicheren Herkunftsstaaten‘ erklärt und grundlegende Rechte eingeschränkt werden. Und: Der Film macht aus ‚Rückzuführenden‘ Menschen, mit Würde und einer eigenen Meinung.

Regie: Carsten Rau / Hauke Wendler, Produktion: Carsten Rau / Hauke Wendler, Kamera: Boris Mahlau, Schnitt: Sigrid Sveistrup, Ton: Torsten Reimers

Dževad Karahasan – Der Trost des Nachthimmels

Dzevad Karahasan

 VORTRAG 

So 23.04.2017, 18 Uhr, K4

Der bosnische Schriftsteller Dževad Karahasan schildert, wie der heraufziehende religiöse Fundamentalismus eine blühende, von geistiger Vielfalt und Toleranz geprägte Epoche zerstört. Sein Roman, DER TROST DES NACHTHIMMELS, ist ein erzählerisches Meisterwerk über Fundamentalismus, über Blüte und Zerfall eines islamischen Reiches. Dževad Karahasan liest (auf Deutsch) aus seinem Roman und Rainer Moritz, Leiter des Literaturhauses Hamburg, moderiert den Abend.

In Kooperation mit Literaturhaus Hamburg.