Programm 2018

Božo Vrećo

Krass Festival 2018_Božo Vrećo

 MUSIK 

So 13.05.2018, 19 Uhr, K2

Tränen befreien und verbinden. Sevdah oder Sevdalina, auch »bosnischer Fado« genannt, steht für sehnsüchtige, melancholische Liebeslieder, die bereits im Osmanischen Reich gesungen wurden. Božo Vrećo lebt Sevdah und das ist auch politisch: Wenn er sich als bosnischer Serbe der Musik bosnischer Muslime widmet, setzt sich der passionierte Musiker und Autodidakt über ethnische, religiöse und Gender-Vorschriften hinweg. Der Sänger, dessen Auftritt beim KRASS Festival 2017 zu einem der bewegendsten Abende gehörte, interpretiert voller Leidenschaft die traditionellen bosnischen Lieder auf der Bühne. Mit berührender Stimme, gepflegtem Bart, geschminkt und in selbstgefertigten Kleidern nimmt sich Božo Vrećo die Freiheit, Grenzen zu überschreiten.

Geometry of Dance – Internationale Urban Hiphop Dance Battle

Krass Festival 2018_Music is my country_Foto Mario Ilic_#02

 INTERAKTIV 

So 13.05.2018, 12 Uhr, KMH

GEOMETRY OF DANCE ist das original KRASS-HipHop-Battle und mittlerweile eines der größten Tanz-Ereignisse in Norddeutschland. Willkommen sind alle Stile für ein Crew Battle in der Kategorie »5 vs 5 All Style«, sei es Breakdance, Popping, House oder Krump. Die Tänzerinnen kommen von überall her – national und international. Eine Jury wählt die Teams des Jahres aus, den Gewinnerinnen winkt ein Preis.

Ognjen Jeftic / Glasna i Gluteni: Turbo-Folk Restart

Krass Festival 2018_Ognjen Jeftic Glasna i Gluteni- Turbo-Folk Restart_Foto Glasna i Gluteni

 MUSIK 

Sa 12.05.2018, 21.30 Uhr, KMH

Turbo-Folk ist ein Balkanphänomen, eine brustimplantathaltige Mischung aus Volksmusik, Pop und Elektro, die seit dem Zerfall Jugoslawiens die Musikindustrie der Balkanstaaten dominiert. Turbo-Folk greift grenzüberschreitend die Ideale der post-jugoslawischen Jugend auf und verspricht Hoffnung und Erfüllung in Liedern wie »Heute Nacht macht mir jemand einen Sohn!«. Längst zieht er nicht mehr nur Nationalisten an; Turbo-Folk hat sich zur Subkultur entwickelt. Was tun als progressiver Künstler in? Gildo Bavčević, Duje Grubišić und Tina Keserović aka Glasna i Gluteni haben beschlossen, sich dem Niveau zu stellen: Die drei Performerinnen und Musikerinnen covern Perlen des Turbo-Folk, verschieben den musikalischen und politischen Kontext und versuchen, die Musikrichtung revolutionistisch umzudeuten. In seinem musikalischen Vortrag »Turbo-Folk Restart« sucht Ognjen Jeftić den Diskurs aus der Sicht eines Migrantenkindes in zweiter Generation und untersucht, welchen Platz Turbo-Folk in der Geschichte der europäischen Popmusik einnimmt, und ob er nun eigentlich eine natürliche Weiterentwicklung der Volksmusik ist oder doch durch und durch das Propagandabollwerk von Milošević

Der Fluch [Klątwa]

Krass Festival 2018_Oliver Frljic_Der Fluch [Klątwa]_Foto Magda Hueckel_#02

 THEATER / PERFORMANCE /­ TANZ 

Sa 12.05.2018, 20 Uhr, K1

Die Premiere der Inszenierung am Warschauer Teatr Powszechny hat einen politischen Skandal ausgelöst und international für Aufsehen gesorgt. Nun ist sie in Hamburg zu sehen: Der kroatische Ausnahme-Regisseur Oliver Frljić entführt das Publikum in ein Land, in dem keiner leben will, keiner leben kann. Ein Land, in dem religiöser Eifer und fremdenfeindlicher Wahn Alltag sind. Die Inszenierung basiert auf Stanisław Wyspiańskis Drama »Der Fluch« (1899), das die realen Ereignisse in Gręboszów beschreibt: Eine Frau wird vom Priester des Dorfes schwanger, daraufhin von der Gemeinschaft ausgegrenzt und gesteinigt. In drastischen und radikalen Bildern wird die nationalistisch sexistisch totalitäre Lebensrealität im gegenwärtigen Polen angeprangert. Immer wieder wird darauf hingewiesen: »Alles was Sie sehen, ist reine Fiktion«, doch »Der Fluch« beschreibt die Gegenwart Europas parabelhaft. Zuletzt war Oliver Frljić im Rahmen des KRASS-Festivals 2017 mit UNSERE GEWALT UND EURE GEWALT zu Gast und beeindruckte das Hamburger Publikum.

Krass Festival 2018_Oliver Frljic_Der Fluch [Klątwa]_Foto Magda Hueckel_#01

Polnisch mit deutschen Übertiteln

nach: Stanisław Wyspiański

Regie: Oliver Frljić, Bühne: Małgorzata Dzik, Kostüme: Sandra Dekanić, Licht : Jacqueline Sobiszewski, Dramaturgie: Agnieszka Jakimiak, Joanna Wichowska, Goran Injac

Aynur

Krass Festival 2018_Aynur_Foto Lara Sayilgan

 MUSIK 

Sa 12.05.2018, 20 Uhr, K2

2005 wollte ein türkisches Gericht Aynur Doğans Album »Keçe Kurdan« verbieten, ihr wurde vorgeworfen dazu aufzurufen, sich dem kurdischen Widerstand anzuschließen. Auch heute noch sind kurdische Musiker*innen in der Türkei, die auf Kurdisch singen, in ihrem Schaffen erheblich eingeschränkt. Als bekannteste kurdische Sängerin in der Türkei hat Aynur Doğan nicht nur musikalisch gesehen eine kraftvolle Stimme. Sie gilt als Sprachrohr ihrer kurdischen Heimat und steht auch für ein Selbstverständnis kurdischer Frauen, die aus den traditionellen Rollenbildern auszubrechen versuchen. Spätestens seit ihrem Auftritt in Fatih Akins Istanbul-Musik-Dokumentation »Crossing the Bridge« hat Aynur Doğan auch in Deutschland eine große Fangemeinde. Im letzten Jahr sang sie mit ihrer empfindsamen, erdigen Stimme in der Elbphilharmonie. Nun kehrt sie nach Hamburg zurück mit neuen Songs, die auf der traditionellen Musik ihrer Heimat basieren. Zusammen mit ihrer international besetzten Band schlägt sie eine Brücke hin zur westlichen Musik, zu Jazz und Folk.

Welcome to Krassolonia

Krass Festival 2018–Julia Münz Matthias Anton David Friedrich- Welcome to Krassolonia_Foto muenzantonskaja

 INSTALLATION / AUSSTELLUNG 

Sa 12.05. & SO 13.05.2018, 19 Uhr, Piazza

Krassolonia ist eine aufklappbare Staatsutopie, ein Pop-Up-Land auf der Piazza von Kampnagel. Wo will ich leben? Wie will ich leben? Das ist die Ausgangsfrage. Krassolonia soll der Ort sein, der alle Wünsche erfüllt.

In einem 7tägigen Workshop entwickeln die jugendlichen Teilnehmerinnen den Staat Krassolonia anhand von Architekturen: welche Bauwerke braucht das perfekte Land? Was macht das Leben dort aus? Die Skyline wird unter Anleitung des Künstlerteams Matthias Anton / Julia Münz / David Friedrich mit den Jugendlichen als Pop-Up Installation gebaut.

In einer großen Abschlusspräsentation wird Krassolonia aufgeklappt, die Zuschauer eingeladen auf eine Reise in das neue Land. Die Teilnehmerinnen bespielen jedes Staatsobjekt mit einem LiveAct aus Text und Aktion. Am Ende der Aufführung wird Krassolonia wieder zusammengeklappt.

Eine Installation von Julia Münz, Matthias Anton und David Friedrich

Mini-Band-Fest mit jungen mixed-culture Bands: Music is my country

Krass Festival 2018_Music is my country_Foto Mario Ilic_#02

 MUSIK 

Sa 12.05.2018, 15 Uhr, KMH

Junge Bands mit mixed culture-Besetzung präsentieren erstmals ihre Songs live auf einer professionellen Bühne. Sie werden von renommierten Hamburger Musiker*innen gecoacht, die sie bei der Entwicklung der Sets unterstützen. Reggae, HipHop, Pop, Folk: Es geht um die Universalsprache Musik und um Begegnungen. Fünf Bands treten auf und es darf getanzt werden!

Eine Koproduktion von Kulturagenten für kreative Schulen Hamburg, Pop to go und dem KRASS Festival.

Vernesa Berbo and the Balkan Boys

Krass Festival 2017_Vernesa Berbo und die Balkan Boys_Foto Vernesa Berbo

 MUSIK 

Fr 11.05.2018, 21.30 Uhr, KMH

Drei Musiker aus dem Thüringer Balkanwald treffen auf die Schauspielerin und Sängerin Vernesa Berbo. Zusammen besingen sie Liebe, Mut, Schönheit und die Sehnsucht nach dem Nirgendwo. Balkan Jazz, Soul und Folk – diese musikalische Erfolgsgeschichte verzückt schon länger das Publikum am Maxim Gorki Theater in Berlin und steht nun schon zum zweiten Mal auf der KRASS-Bühne.

Shahin Najafi

Krass Festival 2018_Shahin Najafi

 MUSIK 

Fr 11.05.2018, 20 Uhr, K2

Den iranischen Musiker, Dichter und Sänger Shahin Najafi hatten die Moralwächter in seinem Heimatland schon lange auf der Schwarzen Liste. 2005 floh er aus dem Iran, weil er für sein Lied »Ich habe einen Bart« zu drei Jahren Gefängnis und 100 Peitschenhieben verurteilt worden war. 2012 wurde er mit einer zweifachen Todes-Fatwa belegt. Mal singt er blueslastigen Pop, mal Rap, mal Indierock oder persischen Chanson, aber stets tief und politisch. Shahin Najafi sieht Kunst als galaktische Sprache, die verbindet. Mit seiner Musik und seinen Texten kämpft er: gegen das Mitläufertum, gegen die Vermischung von Religion und Politik und jegliche Unterdrückung, für Gleichberechtigung – und für die Freiheit.

Wem gehört die Avantgarde? Malevich Projekt Teil 2

Krass Festival 2018_Krasnaya Shpana- Wem gehört die Avantgarde? Malevich Projekt Teil 2 _#01

 THEATER / PERFORMANCE /­ TANZ 

Fr 11.05. & SA 12.05.2018, 19 Uhr, K4

Aufgrund seiner Bedeutung in der Weltkunstgeschichte ist der Maler Kasimir Malevich zum wichtigsten symbolischen Element in der kulturellen Konfrontation zwischen Russland und der Ukraine geworden. Instrumentalisiert zur Stärkung des Nationalstaats wird seine Figur zum Kampfplatz für die Aushandlung nationaler Identitäten und kultureller Entwicklungen. Die Kooperative für künstlerische Forschung »Krasnaya Shpana« (dt: Rotes Pack) untersucht am Beispiel Malevichs die politischen Mechanismen, die hinter den aktuellen Avantgarde-Debatten stehen. Die drei Gruppenmitglieder Alexey Markin, Olga Shirokostup und Illia Yakovenko wohnen in Hamburg, Moskau und Kiew und haben zu ihrem MALEVICH-PROJEKT eine Arbeits- und Forschungsgruppe gegründet, mit interessierten Mitgliedern aus den postsowjetischen Communities Hamburgs. Ziel ist es, einen produktiven Dialog und Austausch zu beginnen. Nach dem ersten Teil des MALEVICH-PROJEKTS im Februar folgt jetzt der zweite Teil: Im Rahmen des KRASS-Festivals wird Krasnaya Shpana einen Vortrag halten und die performative Installation »Ein Flughafen namens Malevich« im Kampnagel-Garten aufbauen.

Gefördert im Rahmen von Szenenwechsel, einem Programm der Robert Bosch Stiftung und des Internationalen Theaterinstituts.

Wenn Gott schläft

Krass Festival 2018_Wenn Gott schläft

 FILM 

Do 10.05.2018, 18 Uhr, Alabama

In WENN GOTT SCHLÄFT porträtiert Regisseur Till Schauder den iranischen Sänger und Rapper Shahin Najafi, den er vier Jahre lang mit der Kamera begleitet hat. 2012 sorgte ein Fall für Aufsehen, über den Medien auf der ganzen Welt berichteten: Shahin Najafi veröffentlichte den satirischen Song „Naghi“, der dazu führte, dass eine Fatwa gegen ihn erlassen und sein Tod gefordert wurde. In dem Lied soll er einen der zwölf von den Schiiten verehrten Imame beleidigt haben, Ali al-Naghi. Tausende Menschen forderten Najafis Tod und ein Kopfgeld von 100.000 Dollar wurde auf ihn ausgesetzt, so dass er gezwungen war, unterzutauchen. Doch sein Leben ist auch im Exil noch immer von der Fatwa geprägt. Jedes Mal, wenn Najafi auftritt, geht er ein hohes Risiko ein. Trotzdem gibt der Musiker nicht auf, sondern kämpft mit seinen Texten, in denen er sich kritisch mit Politik, Religion und Gesellschaft im Iran auseinandersetzt, weiter für die Freiheit.

Ein Film von Till Schauder