Programm Film

Infarkt Global#3

KRASS-Kultur-Crash-Festival-Hamburg-2021_Film Branko Simic

 FILM 

So 16.05.2021, 18 Uhr, Online

Infarkt Global #3 ist ein Road Movie in Zeiten des Stillstandes, eine Autofahrt durch das leere Europa. Es ist die perfekte Zeit, alle bisherigen Identitäten zu hinter sich zu lassen.

Es geht um eine Rückkehr nach Hause, welches nicht mehr existiert. Das Geburtshaus ist ein verstaubter, leerer, dunkler Raum, der nur Schmerz hervorruft.

Exil ist Realität, Exil ist Gegenwart und Zukunft, ein ewiger Zustand.

Das Leben von Goran P. ist Ausgangspunkt für dieses Portrait eines globalen und individuellen Infarktes. Goran P.  ist Schlaganfallpatient. Sein Sprachzentrum ist zerstört. Für das Projekt ist er der perfekte Erzähler: er ist versehrt, wie die Geschichte selbst. Infarkt Global gibt ihm seine Stimme zurück. Seine scheinbare Un-Artikulation verwandelt sich in Kommunikation. Dabei stellt sich die Gegenwart als realer Moment der Ohnmacht, Verlorenheit und Sprachlosigkeit dar. Es ist eine Geschichte über Identität (eine Kategorie, die in permanenter Bewegung ist), über Identitätsverlust (Heimat) und Identitätskonstruktion (Exil).

Regie: Branko Šimić, Kamara/Schnitt: Mario Ilić, Mit: Goran Pavlašević

Irena Škorić: Unerwünschtes Erbe

Krass-Festival-2020_Irena-Škorić-Unerwuenschtes-Erbe

 FILM 

SO 11.10.2020, 20.30 Uhr, Alabama Kino

Tausende sozialistische Monumente zum Sieg über den Faschismus sind im ehemaligen Jugoslawien zwischen 1945 und 1990 gebaut worden.

Einige von ihnen wurden von den renommiertesten Künstlern des Landes geschaffen. Antifaschistische Heldentaten aus dem 2. Weltkrieg, verdienstvolle Persönlichkeiten und die Kraft des Volkes waren beliebte Motive, die Teil des Kulturkanons und  kollektiven Erziehungssystems wurden.

Seit 1990 sind die Denkmäler verwaist, verwahrlost, verrottet. Das kulturelle und politische Erbe ist heute unerwünscht.

Der Film erzählt mit den Stimmen von Zeitzeugen, Politikern und Experten von dem Schicksal der einstigen Helden-Kunstwerke, die ihren Glanz in der Bedeutungslosigkeit verloren haben und von einer Gesellschaft, die ihre Geschichte und historischen Kunstwerke heute verleugnet.

Stadt im Film

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 FILM 

MI 10.04.2019, 20 Uhr, Alabama Kino

Adnan Softic – Bigger than Life
Thomas Hawranke – Grand Ape Town

KRASS präsentiert zwei Filme über die Transformation von Städten:

BIGGER THAN LIFE ist ein Musik Film von Adnan Softić, in dessen Fokus die Neuerfindung und Fabrikation der Nationalgeschichte Mazedoniens steht. Diese Überschreibung der Vergangenheit mit einer »besseren Geschichte« führt dazu, dass ein Großteil der Maze­donier geschichtslos und im eigenen Land fremd wird.

Der Medienkünstler Thomas Hawranke präsentiert seine Auseinandersetzung mit Kafkas »Bericht für eine Akademie« in Form eines Kurzfilms. In der GRAND APE TOWN leben Menschen und Affen zusammen, kaufen schillernde Kleider und fahren schnelle Autos. Hier sind es die Schimpansen, die an den großen Narrationen der Stadt schreiben.

Im Anschluss an die Filmscreenings findet ein Gespräch mit den Regisseuren statt.

Wenn Gott schläft

Krass Festival 2018_Wenn Gott schläft

 FILM 

Do 10.05.2018, 18 Uhr, Alabama

In WENN GOTT SCHLÄFT porträtiert Regisseur Till Schauder den iranischen Sänger und Rapper Shahin Najafi, den er vier Jahre lang mit der Kamera begleitet hat. 2012 sorgte ein Fall für Aufsehen, über den Medien auf der ganzen Welt berichteten: Shahin Najafi veröffentlichte den satirischen Song „Naghi“, der dazu führte, dass eine Fatwa gegen ihn erlassen und sein Tod gefordert wurde. In dem Lied soll er einen der zwölf von den Schiiten verehrten Imame beleidigt haben, Ali al-Naghi. Tausende Menschen forderten Najafis Tod und ein Kopfgeld von 100.000 Dollar wurde auf ihn ausgesetzt, so dass er gezwungen war, unterzutauchen. Doch sein Leben ist auch im Exil noch immer von der Fatwa geprägt. Jedes Mal, wenn Najafi auftritt, geht er ein hohes Risiko ein. Trotzdem gibt der Musiker nicht auf, sondern kämpft mit seinen Texten, in denen er sich kritisch mit Politik, Religion und Gesellschaft im Iran auseinandersetzt, weiter für die Freiheit.

Ein Film von Till Schauder

Pussy vs Putin / Putin vs Pussy / Art and Punishment [Trailer]: Pussy Riot Portraits

Krass Festival 2018_Pussy Riot Portraits

 FILM 

Fr 04.05.2018, 22 Uhr, Alabama

Pussy Riot ist ein feministisches Performance-Music-Kollektiv aus Russland, das sich seit Jahren künstlerisch und provokant für die Rechte von Frauen, die LGBTQ-Bewegung und gegen die Administration Putins einsetzt. Im Februar 2012 wurden drei Mitglieder nach einem Skandal-umtosten Auftritt in einer orthodoxen Kirche verhaftet, bei dem sie mit einem Punk-Gebet gegen das autoritäre System protestierten. Die Dokumentarfilme PUSSY VS: PUTIN und PUTIN VS: PUSSY von den Filmern Gogol’s Wives aus den Jahren 2013 und 2014 beleuchten die Hintergründe der Arbeit des Kollektivs und den Prozess gegen die drei Frauen, von denen zwei wegen Hooliganismus zu zwei Jahren Straflager verurteilt wurden. Der Film PUSSY VS. PUTIN erhielt 2013 den Preis für den besten Film beim International Documentary Film Festival Amsterdam. Ergänzend wird der Trailer von ART AND PUNISHMENT gezeigt, ein schnelles Clipping des Regisseurs Evgeny Mitta von den Vorgängen um die Pussy Riot-Aktion.

Im Anschluss an die Filme folgt ein Gespräch mit den Filmemachern Gogol’s Wives und dem Manager von Pussy Riot Alexander Cheparukhin.

Deportation Class

Krass Festival 2017_Deportation Class_Rau Wendler

 FILM 

Mi 26.04.2017, 18 Uhr, Alabama

Sie kommen in der Nacht, sie reißen Familien aus dem Schlaf, geben ihnen nur noch Zeit zum Packen und setzen sie in ein Flugzeug: sogenannte ‚Zuführkommandos‘ von Polizei und Ausländerbehörden. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 22.000 abgelehnte Asylbewerber aus Deutschland abgeschoben. Der Kino-Dokumentarfilm DEPORTATION CLASS zeichnet erstmals ein umfassendes Bild dieser staatlichen Zwangsmaßnahmen: Von der detaillierten Planung am Schreibtisch über den nächtlichen Einsatz in den Unterkünften der Asylbewerber bis zu ihrer Ankunft im Heimatland – und der Frage, was sie dort erwartet. Nach langen Recherchen hatte das Filmteam um Carsten Rau und Hauke Wendler die Möglichkeit, in Mecklenburg-Vorpommern eine Sammelabschiebung zu begleiten. Ein Wunschprojekt des Innenministers Lorenz Caffier, der bei den Abschiebungen persönlich dabei ist. Eindringliche, bewegende Bilder, die kaum einer kennt, die sich aber Woche für Woche wiederholen, wenn hunderte von Asylbewerbern meist auf den Balkan ausgeflogen werden. Vor zwei Jahren dokumentierten Rau und Wendler in ihrem Kinoerfolg ‚Willkommen auf Deutsch‘, wie Deutschland sich den Neuankömmlingen zuwandte. Mit DEPORTATION CLASS zeigen sie, wohin es führt, wenn die Stimmung gegenüber Geflüchteten kippt. Wenn immer mehr Länder zu ‚Sicheren Herkunftsstaaten‘ erklärt und grundlegende Rechte eingeschränkt werden. Und: Der Film macht aus ‚Rückzuführenden‘ Menschen, mit Würde und einer eigenen Meinung.

Regie: Carsten Rau / Hauke Wendler, Produktion: Carsten Rau / Hauke Wendler, Kamera: Boris Mahlau, Schnitt: Sigrid Sveistrup, Ton: Torsten Reimers

Everyday I’m capuling

Everyday I’m capuling Martina Priessner

 FILM 

14.02.2014, 18 Uhr, Alabama Kino

Die Filmemacherin Martina Priessner lebt zwischen Berlin und Istanbul und ist Istanbul-Expertin. Sie lässt in ihrem Film EVERYDAY I AM CAPULING die Ereignisse vom Sommer Revue passieren. Dabei nutzt sie ausschließlich Found-Footage Material, das zahlreiche Aktivisten ins Netz stellten. Der Film vermittelt Einblicke in die Vielfalt der Protestbewegung, ihre Brüche und Widersprüche. Die Regisseurin führt nach dem Film ein Publikumsgespräch zur wirklichen Dimension von Gezi. Die Musiker der türkischen Band BABA ZULA unterstützten die Demonstranten von der ersten Stunde an und sind selbst Protagonisten des Protests. Während des Publikumsgespräches berichten sie auch von ihren Erlebnissen.

Ein Film von Martina Priessner.

Fremd

"Fremd" Miriam Fassbender

 FILM 

08.02.2014, 18 Uhr, Alabama Kino

FREMD beschreibt den von der Not diktierten Aufbruch eines jungen Maliers nach Europa. Seit zweieinhalb Jahren ist er unterwegs in eine Welt, in der er nie leben wollte. Der Film sucht die Beweggründe für diese Flucht und gewährt Einblick in die Lebensumstände und den zermürbenden Alltag von Migranten auf ihrem Weg vom subsaharischen Afrika über Algerien und Marokko nach Europa. Er zeigt ihr Leben, das geprägt ist von Hetze und Hoffnung, Flucht und Stillstand. Vom Leben als jahrelanger Reisender und vom Überleben in der Fremde.

Ein Film von Miriam Fassbender

Stationen Deutsch-Türkischer Migration im Film

Martina Priessner

 FILM 

08.12.2012, 18.30 Uhr, Alabama

Die deutsch-türkische Arbeitsmigration spiegelte sich bereits seit den 1970er-Jahren in der Kinokunst beider Länder wider. Von Ausnahmen abgesehen wurden Geschichten erzählt, die in Deutschland das Bild des Ausländers und in der Türkei das Klischee des Almancı (Deutsch-Türken) reproduzierten. Seit Anfang der neunziger Jahre nehmen junge deutsch-türkische Filmemacherinnen und Filmemacher eine andere Perspektive ein. Ihre Distanz gibt ihnen die Freiheit, neue Bildersprachen zu erfinden. Sie bringen in ihren Erzählungen die Stereotypen zum Tanzen und entwerfen Bilder für Migration abseits vom Opferdasein, die fast ohne Worte auskommen und von eindringlicher Symbolik zeugen.In ihrem Vortrag, der in Zusammenarbeit mit Tunçay Kulaoglu entstand, zeichnet die Filmemacherin Martina Priessner die verschiedenen Facetten dieser Entwicklung nach und zeigt Motive von Aufbruch, Unterwegssein, Ankommen und Rückkehr. Anhand zahlreicher Ausschnitte kommentiert sie Filmbilder der letzten 30 Jahre – eine historische Reise auf den Spuren des Almanci.

Deutsch-türkische Filme

KRASS präsentiert im Zusammenhang mit dem Vortrag von Martina Priessner die Filme, welche im Vortrag diskutiert werden:

ALMANYA ACI VATAN (Deutschland, bittere Heimat, Şerif Gören, 1979, OmU, 90 min)

Deutschland / Türkei 1979 / 85 Min. / OmdtU / Regie: Şerif Gören / Mit Hülya Kocyiğit, Rahmi Saltuk

Güldane ist eine junge, selbstbewusste Frau, die als „Gastarbeiterin“ aus der Türkei nach Berlin kommt. Sie lebt in einer Frauen-WG und arbeitet in einer Fabrik. Während ihres Sommerurlaubs im Dorf in der Türkei lernt sie Mahmut kennen, der davon träumt nach Deutschland zu gehen. Er bietet ihr viel Geld für eine Scheinehe an. Güldane akzeptiert das Angebot. Zurück in Deutschland will sie von Mahmut zunächst nichts wissen. Erst als sie sich wegen der penetranten Anmache eines anderen Mannes nicht mehr zu helfen weiß, lässt sie sich auf Mahmut ein – mit ungeahnten Folgen.

Bevor dem Altmeister des türkischen Kinos Serif Gören mit Yol (Der Weg, Goldene Palme Cannes 1982) der internationale Durchbruch gelang, setzte er 1978 mit „Almanya Acı Vatan“ (Deutschland, bittere Heimat), den er in Berlin und der Türkei drehte, Maßstäbe in der filmischen Erzählung der Arbeitsmigration.

Auslandstournee

D 1999 / 91 min / OF / Regie: Ayşe Polat / Mit: Hilmi Sözer, Özlem Blume, Martin Glade, Özay Fecht u. a.

Die elfjährige Şenay und der schwule Nachtclubsänger Zeki machen sich gemeinsam auf die Reise um Şenays Mutter zu suchen. Von Deutschland über Frankreich in die Türkei begleitet der Film die ungleichen Weggefährten bei ihren Abenteuern und Auseinandersetzungen mit Heimat, Exil und Fremdheit. Der Rhythmus des Films wird von den Motiven des Reisens und der Mobilität bestimmt. „Unterwegs sein kann neue Möglichkeiten der Wahrnehmung eröffnen“ (Ayşe Polat).

Kurzfilme

Anfang der 90er Jahre begannen deutsch-türkische FilmemacherInnen der zweiten und dritten Generation, ihre so noch nie erzählten Geschichten auf die Leinwand zu bringen. Die Filme „Totentraum“ und „Frizör“ (2003) von Ayhan Salar stehen beispielhaft für erste Versuche, Klischees und stereotype Vorstellungen über migrantisches Leben in Frage zu stellen.

Totentraum

D 1994 / 15 min / Regie:  Ayhan Salar /16mm / BetaSP

Ein türkischer Arbeitsimigrant ist gestorben. Seine Leiche wird kontrastiert mit dem Bericht seiner Frau, die in einem Brief aus der Heimat die Situation und Erwartungen der Familie beschreibt. In einer parabelhaften Darstellung wird der Abschied des Gastarbeiters aus der Heimat geschildert, die zugleich auch seine Rückkehr als Toter sein kann.

Frizör

D 2003 / 15 min / Regie: Ayhan Salar

Der junge Türke Ahmet war 1964 vor dem Portugiesen A. Rodrigues aus dem Zug gestiegen. Auf die Frage des Empfangskomitees, ob er ein Gastarbeiter sei, antwortete Ahmet höflich mit „Ich Frizör“, aus dem Fremdsprachenführer. Der Portugiese sagte nichts und lächelte vor sich hin. So wurde A. Rodrigues zum millionsten Gastarbeiter, von Wochenschaukameras eingefangen und mit einem Motorrad belohnt.

Wadim

Wadim

 FILM 

06./11.12.2012, 19 Uhr, Alabama Kino

Wadim K. ist in Deutschland aufgewachsen. Er sprach deutsch, hatte deutsche Freunde und fühlte sich als Deutscher, einen deutschen Pass hatte er nie. Wadim kam mit seiner russischstämmigen Familie 1992 aus Lettland nach Hamburg; ein Asylantrag wurde abgelehnt.Es folgen Jahre zwischen Duldungen, Arbeitsverbot und Sammelunterkünften. 2005 versucht die Ausländerbehörde, die Familie abzuschieben;die Mutter schneidet sich die Pulsadern auf, der Vater landet in Untersuchungshaft; Wadim wird mit 18 Jahren allein nach Lettland abgeschoben. Fünf Jahre lang vagabundiert er durch Europa auf der Suche nach einem neuen Zuhause. Bei seinem letzten, illegalen Besuch in Hamburg nimmt er sich das Leben, mit 23 Jahren. Der preisgekrönte Dokumentarfilm WADIM setzt das Mosaik seines kurzen Lebens zusammen.

Ein Film von Carsten Rau und Hauke Wendler, Dauer ca. 90 Min.